Mittwoch, 18. Januar 2023

Ton in Ton

Eine Frau sitzt in einem vorwiegend in rötlich warmen Tönen gehaltenen, sehr geschmackvoll eingerichteten Zimmer an ihrem Schreibtisch. Sie trägt einen knallroten Hosenanzug und einen Kopfschmuck, der aus vielen kleinen kunstvoll zu einem Kranz arrangierten Tomaten besteht, die im Ton genau zu ihren wundervollen Haaren passen. Ein seidenes Halstuch in der gleichen Farbe vervollständigt auf das Vorteilhafteste ihre elegante Erscheinung.
Sie blickt versonnen auf ein Bild, das in einem roten Rahmen ihr genau gegenüber an der Wand hängt. Es zeigt ein junges Pärchen bei einer ausgesprochen lustvollen Beschäftigung. Auch das Ergebnis dieser eifrigen Bemühungen ist schon zu sehen. Die natürlich handsignierte Fotoserie trägt den aussagekräftigen Titel: „Auch Tomaten können es!“ und ist natürlich auch auf der Homepage des Künstlers unter: www.fredlang.de zu bewundern. Es gilt als das wohl bedeutendste Werk aus der inzwischen von Sammlern hoch geschätzten so genannten „Roten Periode“ des weltberühmten Lichtbildners Fred Lang, bevor er dann in die bei intimen Kennern seines Schaffens nicht mehr ganz so beliebte „Blaue Periode“ wechselte.
Gerade hat sie das sehr humorvolle, aber auch nachdenklich stimmende Buch: „Von Mäusen, Menschen und anderem Getier“ dieses vielseitigen Fotografen und Schriftstellers zu Ende gelesen und findet, dass es eine wertvolle Bereicherung ihrer allerdings noch im Aufbau befindlichen Sammlung zeitgenössischer Literatur ist.

Es ist genau 12 Uhr Mittagszeit, als es zaghaft an der Tür klopft und ein ganz in Rot gekleideter alter Mann herein trippelt. Es ist übrigens der schon erwähnte Autor und Fotograf, dessen eigentlich unbezahlbares Gesamtwerk mit allen Rechten von ihr kürzlich auf einer Versteigerung bei SOTHEBY'S in London erworben wurde, und der nun auf seine alten Tage bei ihr als „Männchen für alles“ Unterschlupf gefunden hat. Er trägt mit etwas zittrigen Händen, die natürlich in roten, seidenen Handschuhen stecken, auf einem silbernen Tablett eine dampfende Suppenterrine an den Tisch. Ein Teller, eine silberne Schöpfkelle und ein Löffel, sowie eine rote Serviette aus feinstem Damast sind die passenden Accessoires. Erwartungsvoll beugt sich seine Gebieterin über die Terrine. Zwischen ihren leicht geöffneten Lippen zuckt die kleine rote Zungenspitze unruhig hin und her. Ihr Gesicht strahlt vor Freude, als sie den Deckel abhebt. Schließlich hat sie schon lange keine Erbsensuppe mehr gegessen!

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